Синдеева В.Б. Практикум устной и письменной речи (немецкий язык) для студентов 5 курса факультета иностранных языков - файл n1.doc

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Синдеева В.Б. Практикум устной и письменной речи (немецкий язык) для студентов 5 курса факультета иностранных языков
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МИНИСТЕРСТВО ОБРАЗОВАНИЯ И НАУКИ РОССИЙСКОЙ ФЕДЕРАЦИИ

СЛАВЯНСКИЙ-НА-КУБАНИ ГОСУДАРСТВЕННЫЙ ПЕДАГОГИЧЕСКИЙ


ИНСТИТУТ

Факультет иностранных языков


кафедра германской филологии и

методики преподавания иностранных языков

В. Б. СИНДЕЕВА




Практикум устной и письменной речи

(немецкий язык)

для студентов 5 курса факультета иностранных языков


г. Славянск-на-Кубани2006 г.

ПРЕДИСЛОВИЕ
Практикум по устной и письменной речи представляет собой набор оригинальных текстов и системы упражнений к ним.

Основным критерием отбора языкового материала являлась его актуальность для осуществления общеобразовательных задач и профессиональной подготовки студентов. Публицистические и художественные тексты, представленные в практикуме, объединены в шесть блоков по тематическому принципу: «Чтение и книги», «Языки и языковые профессии», «Роль искусства в современном обществе», «Кино», «Театр», «Школа и учителя», что соответствует учебной программе по ПУПР немецкого языка на 9-10 семестр.

Работа над разговорными темами, конечной целью которой является неподготовленная речь, проводится поэтапно. На первом этапе выполняются языковые упражнения таких типов, как семантизация нового лексического материала, механические подстановки, перифраз, а также речевые упражнения с опорой на текст, направленные на формирование навыков подготовленной речи. На заключительном этапе работы над разговорной тематикой предлагаются задания, направленные на развитие навыков ведения дискуссии на немецком языке.

Коммуникативная компетенция, формирование которой является основной задачей практикума, включает помимо языкового еще и социокультурный компонент. Все материалы практикума ориентированы на культуру страны изучаемого языка и содержат большой объем лингвострановедческой информации по избранным темам.


MДDCHEN SIND VIELLESER
Wie viele Kinder und Jugendliche lesen eigentlich heutzutage noch­­? Wie werden sie zu Lesern? Welche Rolle spielen Bьcher in ihrem Alltag? Warum bleiben die einen als Erwachsene Bьchernarren, wдhrend sich die anderen vцllig vom Lesen abwenden? So wichtig diese Fragen fьr alle Ьberlegungen zur – immer wieder totgesagten – Lesekultur sind, so wenig verlдssliche aktuelle Aussagen oder Untersuchungen gibt es zu ihnen.

Um so grцЯere Aufmerksamkeit verdienen drei groЯ angelegte Studien, die die Bertelsmann-Stiftung seit 1989 zur Lesesozialisation durchgefьhrt hat und deren Ergebnisse nun in zwei voluminцsen Berichtbдnden vorliegen.

Fast vierzig Prozent der Neun- bis Elfjдhrigen und rund ein Viertel aller Jugendlichen sind danach „Vielleser“, greifen also tдglich oder zumindest mehrmals in der Woche zu einem Buch. Vergleicht man diese Zahlen mit frьheren Erhebungen, ergibt sich die erste ьberraschende Feststellung: Trotz aller Reizьberflutungen, vor allem durch die elektronischen Medien, ist der Zuspruch zum Buch insgesamt stabil geblieben und die Lust am Lesen fast ungebrochen.

Neu sind dagegen die auffдlligen Unterschiede, die die Studien zutage fцrdern: Von den Mдdchen gehцrt fast die Hдlfte, von den Jungen aber nur ein Viertel zu den Viellesern – ein Trend, der sich bei den Jugendlichen und Erwachsenen fortsetzt. „Mдnner kommen der Lesekultur zunehmend abhanden“, lautet auch der zweite Befund der Studien.

Elternhaus und Schule haben entscheidenden Einfluss darauf, ob die Kinder zu Bьchern greifen oder nicht, so das dritte Hauptergebnis. Das mag banal klingen, ist es aber schon dann nicht mehr, wenn man erfдhrt, wie sehr sowohl Eltern als auch Lehrer mit der Leseerziehung ьberfordert sind.

Wiederum ьberraschend ist schlieЯlich der vierte Befund: Die oft gehцrte These, das Fernsehen verdrдnge das Buch, fanden die Leseforscher nicht bestдtigt. „Kinder, die viel lesen, sind insgesamt die extensiveren Mediennutzer“, lautet statt dessen ihr Resьmee. „Vielleser bringen pro Tag etwa genau so lange mit dem Fernsehen zu wie mit Bьchern.“ Wenn Jugendliche oder Erwachsene spдter das Lesen einschrдnken oder aufgeben, geschieht dies dementsprechend nicht wegen attraktiverer Angebote in anderen Medien, sondern fast immer wegen zu starker Belastung im Beruf und Privatleben.

Verlдssliche empirische Daten zum Leseverhalten zu sammeln war das Hauptziel der drei Studien. Es wurde voll und ganz erfьllt. Schlussfolgerungen ziehen mьssen nun andere: Eltern, Pдdagogen, Autoren, Verleger und nicht zuletzt die Bildungs- und Schulpolitiker.

Aus: Zeit Nr. 35 vom 27.8.93 Marco Finett

I. Aktiver Wortschatz


Bьchernarr m, -en, -en

totgesagt

verlдsslich

Lesesozialisation f, =, -en

Erhebung f, =, -en

Reizьberflutung f, =, -en

Zuspruch m, -s, -sprьche

ungebrochen

abhanden kommen

banal

ьberfordert

Befund m, -es, -e

verdrдngen, -te, -t (A)

Mediennutzer m, -s, =

einschrдnken, -te, -t (A)


II. Fьhren Sie Synonyme an:

die Erhebung, der Zuspruch, ungebrochen, abhandenkommen, banal, der Befund, einschrдnken
III. Fьhren Sie Antonyme an:

verlдsslich, der Zuspruch, ungebrochen, banal, einschrдnken
IV. Paraphrasieren Sie:

1. Sein ganzes Leben lang blieb sein Vater Bьchernarr.

2. Man spricht oft ьber die totgesagte Lesekultur, ohne verlдssliche Untersuchungen durchgefьhrt zu haben.

3. Die Lesesozialisation ist eine schwierige Aufgabe.

4. Die letzten Erhebungen beweisen, dass der Zuspruch zum Buch stabil geblieben ist.

5. Trotz aller Reizьberflutungen bleibt die Lust am Lesen fast ungebrochen.

6. Mдnner kommen der Lesekultur zunehmend abhanden.

7. Das Fernsehen verdrдngt das Buch.

8. Kinder, die viel lesen, sind auch die extensiveren Mediennutzer.

9. Viele Menschen schrдnken das Lesen wegen zu starker Belastungen im Beruf und Privatleben ein.

10. Vielleser bringen pro Tag etwa genau so lange mit dem Fernsehen zu wie mit Bьchern.
V. Aufgaben zur Konversation

1. Warum ist es unmцglich, auf die Fragen am Anfang des Textes eindeutig zu antworten?

2. Worin besteht das Verdienst der Bertelsmann-Stiftung in der Sphдre der Lesesozialisation?

3. Was sind „Vielleser“?

4. Ob die elektronischen Medien wirklich das Buch bedrohen? Was haben in dieser Hinsicht Studien der Bertelsmann-Stiftung festgestellt?

5. Wie verstehen Sie den Satz „Mдnner kommen der Lesekultur zunehmend abhanden“? Worum handelt es sich?

6. Wer trдgt die Verantwortung dafьr, ob Kinder zu den Bьchern greifen oder nicht?

7. Sind Sie damit einverstanden, dass die Zeit, die Kinder dem Fernsehen einerseits und den Bьchern andererseits schenken, gleich ist?

8. Finden Sie die Behauptung, dass Erwachsene oft das Lesen nur wegen der zu starken Belastungen im Beruf und Privatleben einschrдnken, nicht naiv?

9. Fдllt Ihre Leseerfahrung mit den Resultaten der Untersuchungen, die die Bertelsmann-Stiftung durchgefьhrt hat, ьberein oder nicht? Fьhren Sie konkrete Beispiele an.

10. Gibt es in Ihrem Bekanntenkreis die Vielleser? Wodurch unterscheiden sich die Menschen dieser Art von den anderen?

11. In welchem Alter sollte man den Kindern das Lesen beibringen?

12. Was kцnnen die Eltern unternehmen, damit die Lust am Lesen ihren Kindern nicht verloren geht?

13. Was muss man in der Schule reformieren, um das Leseverhalten der Schьler positiv zu verдndern? Sind Sie in dieser Hinsicht optimistisch oder pessimistisch gestimmt?
VI. Ьbersetzen Sie ins Deutsche

1. Многие люди, в детстве читавшие запоем, с возрастом утрачивают эту страсть.

2. Часто утверждают, что культура чтения в наше время якобы исчезает.

3. По данным проведённого исследования 40 % детей в возрасте 9-11 лет обращаются к книге либо каждый день, либо по меньшей мере несколько раз в неделю.

4. Как оказалось, электронные средства информации не повлияли существенно на любовь к чтению.

5. Исследование выявило однако существенные различия в отношении к чтению по половому признаку.
VII. Fьhren Sie eine Diskussion durch: „Bьcher oder Fernsehen? Argumente «pro» und «kontra».

HANS FALLADA, aus dem Buch "DAMALS BEI UNS DAHEIM"

(Auszьge)
Ьber den Autor: Hans Fallada ist das Pseudonym von Rudolf Ditzen (18931947). Sohn eines Landrichters, er war in verschiedenen Berufen tдtig, wurde schlieЯlich Journalist. Sein erstes bedeutendes Werk ist der Roman "Bauern, Bonzen und Bomben" (1931). Der Roman "Kleiner Mann was nun?" brach­te ihm Weltruhm. In seinen Romanen "Wer einmal aus dem Blech­napf friЯt" (1934), "Wolf unter Wцlfen" (1937) und anderen entlarvt Hans Fallada negative Seiten der bьrgerlichen Gesellschaft. Der Roman "Jeder stirbt fьr sich allein" (1947) ist ein leiden­schaftlicher Protest gegen den Faschismus.

"Damals bei uns daheim" ist ein autobiographisches Buch. Darin hat Hans Fallada mit viel Humor seine Kindheitserinne­rungen niedergeschrieben.
Es gibt Steckenpferde, die nur den einzelnen befallen, es gibt auch Steckenpferde, von denen ganze Familien heimgesucht wer­den. In unserer Familie haben alle bevorzugt ein und dasselbe Steckenpferd geritten, das war die Leidenschaft fьr Bьcher. Dieses Steckenpferd ritten wir alle zur Vollendung. Vater wie Mutter, Schwestern und Brьder. Als wir noch sehr klein waren, hatten wir doch schon ein Bьcherbrett fьr unsere Bilderbьcher, und dies Brett wuchs mit uns, es wurde zum Regal, dann holte es uns ein und wuchs uns ьber den Kopf. So sparsam Vater auch war, ein gutes Buch zu kaufen, reute ihn nie; ein Buch zu verschenken,, freute ihn ebenso wie den Beschenkten.

Da Vater auf Ordnung hielt, wurde in unserm Hause nie so schlimm wie bei einem Manne, den ich in spдteren Jahren kennen lernte und der ein wahrer Bьchernarr war. Ihn freute es schon,, Bьcher zu besitzen, er musste sie nicht etwa auch lesen. Er fьllte sein ganzes, nicht ungerдumiges Haus mit Bьchern, fьr die Men­schen war keine bleibende Stдtte mehr darin. Ich denke ihn mir gerne, wie er allmдhlich von seinen Bьchern begraben wird. In tausend Jahren wird man ihn vielleicht platt, gedrьckt, aber wohl mumifiziert unter einem Berg von Broschьren finden, die immer noch darauf warten, von ihm gelesen zu werden.

Von solchen Ausartungen eines an sich lцblichen Stecken­pferdes konnte in unserer Familie nicht die Rede sein. Bei uns wurden Bьcher nicht nur gesammelt, sondern auch gelesen. Es . gab in jedem Zimmer welche, und mein Auge hat sich von Kind auf so daran gewцhnt, dass mir noch heute ein Zimmer ohne Bь­cher nicht so sehr nackt wie vielmehr unbekleidet vorkommt. Va­ter besaЯ etwa dreitausend Bдnde, Itzenplitz reichte an die tausend, Fiete, die das Steckenpferd am wenigsten leidenschaft­lich ritt, etwa vierhundert, ich, obwohl drei Jahre jьnger, etwa ebensoviel, und der kleine Ede auch schon ьber zweihundert Bдnde.

Zu jener Zeit war ich nдmlich der ewig gleichen Kost der Indianer- und Abenteuerbьcher mьde geworden. Kein Prдriebrand' konnte mich noch begeistern, kein Mustang war mir wild genug,, mich zu erregen. Und nun suchte mein Geist andere Betдtigungs­felder.

Was da offen in Vaters Regalen stand, reizte mich nicht so­sehr. Aber es gab auch gewisse Kдsten in den unteren Fдchern dieser Regale. Hier hatte Vater die Heftchen und Hefte der Uni­versalbibliothek untergebracht, die sich in ihren Broschьren nur schlecht auf einem Bьcherbrett ausnahmen.

Diese Kдsten waren eine wahre Fundgrube fьr mich! Mit elf oder zwцlf Jahren geriet ich auf Flaubert und Zola, auf Daudet und Maupassant! Das Erotische verstand ich nicht, darьber las ich hinweg, aber welch eine ungeahnte Welt erцffnete sich mir da! Ich hatte nie gedacht, dass Romane so sein kцnnten! Stьcke aus dem Leben nдmlich, wirkliches Leben, das sich jeden Augen­blick auf dieser Erde abspielen konnte! Alles, was ich bisher ge­lesen hatte, und ich hatte es glдubig gelesen, hatte doch etwas Unwirkliches gehabt, es war mehr den Mдrchen meiner Kindheit als dem Leben verwandt gewesen. Aber das hier, diese neue Welt! Ich muss es schon damals gefьhlt haben, dass man so "mцglich" schreiben mьsse, um "wirklich" zu wirken. Diese Bьcher gingen glatt in mich ein. Ich las jedes nicht nur einmal, ich las es mehrere Male.

Ich erinnere mich sehr wohl meiner Begeisterung, als ich Du­mas' "Drei Musketiere" entdeckte. Das war auch eine Abenteuer­geschichte, aber sie war nicht nur ausgedacht, sie war auch mцg­lich.

Und dann, als mir Stevensons Schatzinsel in die Hдnde fiel? Als ich Charles Dickens entdeckte, dessen Copperfield ich heute noch wieder und wieder lese, immer mit dem alten Entzьcken. Seite um Seite kцnnte ich fьllen mit diesen Erinnerungen an die Bьcher, die ich damals entdeckte, die immer weiter in mir leben. Und dann die Russen: Rodion Raskolnikoff, die Brьder Karamasoff!

Meine Leser werden finden, dass ich etwas reichlich frьh mit dieser Lektьre begann, meine Eltern hдtten das auch gefunden. Es hдtte meiner Mutter Herz erschreckt, ihren дltesten, ach so jun­gen Sohn ьber der Lektьre von Maupassants Frivolitдten zu fin­den. Das habe ich ahnungsvoller Knabe natьrlich recht gut gewusst, und so las ich nur in diesen Reclam-Bдndchen, wenn ich mich ganz sicher wusste, also am frьhesten Morgen. Ich bin Zeit meines Lebens ein schlechter Schlдfer gewesen, und meist war ich schon als Junge vor vier Uhr wach. Dann schlich ich auf leisen nackten FьЯen in Vaters Zimmer und kehrte reich be­laden in mein Bett zurьck. Und las... Und las...

Es konnte gar nicht anders sein: durch eine so intensive Le­serei musste die Schule zu kurz kommen. Meistens nahm ich nur ziemlich schlдfrig am Unterricht teil, und wachte ich einmal auf, so dachte ich nur an das Gelesene oder wie es nun weitergehen wьrde. Einmal, ein einziges Mal winkte mir die Aussicht, dass ich durch meine Lektьre auch in der Schule Lorbeeren ernten konnte. Das war, als unser Geschichtslehrer vom Aufstand der Tiroler erzдhlte, wobei auch der Name Jьrg Jenatsch fiel ... Ich horchte auf. Professor Friedrichs fragte, uns alle musternd: "WeiЯ viel­leicht einer von euch, welcher Dichter uns diesen Aufstand ge­schildert hat?"

Ich sah um mich, ich war der einzige, der es wusste. Stolz fuhr ich aus meiner Bank und schrie: "Cordinand Ferdinand. Meyer!"

Еin brьllendes Gelдchter war der Erfolg, den ich einheimste. Sogar Professor Friedrichs lдchelte milde. „Zwar nicht Cordinand Ferdinand“ – neue Gelдchtersalve, - „sondern Conrad Ferdinand Меуег".

Nun hieЯ ich eine Weile in der Klasse nur der Cordinand.

А1so ich las und las. – Аbег in unserer Familie war es so bestellt, dass man das Verbum „Lesen“ in allen Formen konjugieren konnte, es stimmte immer. Ich lese, du lasest, er wird lesen; sie haben gelesen – immer stimmte es! Nur die Befehlform anzuwenden war ganz unnцtig: „Lies und Leset“ brauchten nicht angewendet zu werden, wir taten es auch so.



  1. Aktiver Wortschatz.




Steckenpferd n, -es, -e

heimsuchen, -te, -t (A)

Leidenschaft f (fьr A)

Bilderbuch n, -es, -bьcher

Bьcherbrett n, -es, -er

Bьcherregal n, -s, -e

ьber den Kopf wachsen (D)

halten, ie, a (auf A)

Bьchernarr m, -en, -en

sich (D) etw. (A) denken

die Rede konnte nicht sein (von D)

mьde werden (G)

begeistern, -te, -t (A)

erregen, -te, -t (A)

reizen, -te, -t (A)


Broschьre f, =, -n

geraten, ie, a (auf A)

hinweg lesen (ьber A)

sich abspielen, -te, -t

glдubig

eingehen, ie, a (in A)

Abenteuergeschichte f, =, -n

in die Hдnde fallen (D)

Frivolitдt f, =, -en

Zeit meines Lebens

zu kurz kommen

schlдfrig

die Aussicht winkt (D)

es ist so bestellt

sich schlecht ausnehmen, a, o


  1. Fьhren Sie Synonyme an

das Stechenpferd, befallen, achten + auf A, der Bibliophile, sich vorstellen, ьberdrьssig werden, aufregen, Interesse erregen, gelangen, vor sich gehen, wirken



  1. Bilden Sie Sдtze mit folgenden Vokabeln:

ьber den Kopf wachsen + D, halten, ie, a + auf A, mьde werden + G, begeistern + A, geraten, ie, a + auf A, ьber + A hinweg lesen, in die Hдnde fallen + D,zu kurz kommen, sich schlecht ausnehmen, a, o.


  1. Paraphrasieren Sie

        1. Der Vater legte immer gro?en Wert auf Ordnung.

        2. Lange Zeit hatte ich lebhaftes Interesse an Indianer- und Abenteuerbьchern.

        3. Die Heftchen und Heften der Universalbibliothek forderten mich heraus, darin zu blдttern.

        4. Die Heftchen und Heften der Universalbibliothek, die sich in ihren Broschьren nur Schlecht auf einem Bьcherbrett ausnahmen, fanden den erforderlichen Platz in den unteren Fдchern der Bьcherregale.

        5. Er hдlt nicht viel von Naturbeschreibungen und lдsst sie beim Lesen unbeachtet.

        6. Wann und wo gehen die Ereignisse dieses Romans vor sich?

        7. Diese Bьcher fanden in meiner Seele einen Platz.

        8. Die Romane von Charles Dickens kamen nach einigen Jahren in meinen Besitz.

        9. Bald wurde mir eine Mцglichkeit geboten, durch meine Lektьre auch in der Schule Lorbeeren zu ernten.

        10. In unserer Familie war es ьblich, ein und dasselbe Steckenpferd zu reiten, das war die Leidenschaft fьr Bьcher.


  1. Fragen und Aufgaben zur Diskussion.

        1. In welchen Ton spricht der Autor ьber die Leidenschaft fьr Bьcher, von der die ganze Familie befallen wurde?

        2. Was meint der Autor, wenn er sagt „dies Brett wuchs mit uns“?

        3. Was ist fьr den Autor ein wahrer Bьchernarr? Gebraucht er dieses Wort als Synonym zu dem Substantiv „Bьcherliebhaber“?

        4. Gibt es in Ihrem Bekanntenkreis Menschen, die Sie zu Bьchernarren zдhlen kцnnten? Wie stehen Sie zu diesen Menschen?

        5. Was ist, Ihrer Meinung nach, ein richtiger Bibliophile? Was sagt dazu der Autor?

        6. In welchem Alter wurden Sie der Indianer- und Abenteuerbьcher mьde geworden? Warum?

        7. Den Autor reizten die Bьcher aus den unteren Fдchern der Bьcherregale. Was fьr Bьcher waren das? Gab es in Ihrem Leben auch solche Bьcher?

        8. Was nennt der Autor „ eine wahre Fundgrube“? Was fьr ein stilistisches Mittel ist es?

        9. In welchem Alter gerieten Sie auf die Werke der auslдndischen Klassiker? Erinnern Sie sich an konkrete Namen. Was ist in Ihrem Gedдchtnis bis jetzt geblieben?

        10. Wodurch unterscheiden sich Romane von Abenteuerbьchern nach der Meinung des Autors? Sind Sie der gleichen Meinung?

        11. Welche Bьcher „gingen in Sie ein“? Welche Bьcher mцchten Sie mehrere Male lesen?

        12. Welche Namen und Werke erwдhnt der Autor? Welche von ihnen sind auch Ihnen gelдufig?

        13. Wann lesen Sie gern? Auch am frьhesten Morgen?

        14. Wurde Ihr Studium in der Schule wegen der intensiven Leserei auch benachteiligt?




  1. Erzдhlen Sie folgenden Text nach

С тех пор как я научился читать, всю жизнь читаю. Хочу вспомнить какую-нибудь пору своей жизни, непременно вспо­минаю книги, с нею связанные. Углубляясь в эти воспомина­ния, я вижу, что читалось в разные времена по-разному. Рас­сказывая о книгах, рассказываю о своей жизни. Это понятно: книги – важная часть моей жизни. Так, вероятно, могут ска­зать о себе все книголюбы. В моей жизни книги занимают осо­бое место: я всегда хотел не только читать их, но и писать. По встречам с читателями, особенно молодыми, я знаю, что их ин­тересует, как пишут книги. Но не каждый спрашивающий со­бирается стать писателем. Людей интересуют профессии, о ко­торых они не знают. Работа того, кто пишет книги, прежде все­го работа. Интересная. Об этом догадываются многие. Очень трудная. Это знают не вое. Я занимаюсь этой работой тридцать три года. Я расскажу о книгах не только как читатель, но> и как писатель. Начну с детства.

Едва научившись читать, я стал читать запоем. Через такую полосу проходят многие. У некоторых она длится всю жизнь. Книжный «запой» редко приносит беду и чаще всего – пользу.

Когда я пошел в школу, я уже прочел самостоятельно мно­го книг. Я читал все свободное время. И не только свободное!

Если нужно было убрать комнату, а особенно этажерку с книгами,– я не мог довести этого до конца. Сидя на полу, среди полного разгрома, я зачитывался книгой, раскрытой на се­редине. Нет чтения более захватывающего, чем чтение среди горы книг, ожидающих, покуда их расставят.

А теперь мне случается зачитываться среди полок в боль­ших библиотеках. Иду к полке за словарем или справочником, твердо знаю, где он стоит. Вдруг вижу книгу, которая раньше никогда на глаза не попадалась. Она не относится к моей ра­боте, но искушение велико. Начал листать, и вот уже незамет­но промчался час, а то и два.

Хвала и честь систематическому чтению! Но книголюб с его любознательностью способен зачитаться книгой, которую он не собирался читать, и открыть для себя книгу, дотоле неизвест­ную, или в книге, уже читанной, наткнуться на то, чего не за­мечал раньше.
VII. Schreiben Sie einen Aufsatz ьber das Thema «Bьcher und Lesen in meinem Leben».
ASTRID LINDGREN

1907 bis 2002

Von Henning Mankell
Viele haben sich nach dem groЯen und auЯerordentlichen Geheimnis gefragt, das sie in sich barg. Was machte Astrid Lindgren zu einer so groЯartigen Kьnstlerin? Auf welche Wei­se unterschied sie sich von anderen Schriftstellern? Nicht nur als eine Erzдh­lerin fьr Kinder, sondern auch fьr Er­wachsene?

Ohne Sentimentalitдt konnte ich als Er­wachsener von neuem die Bьcher lesen, die ich als Kind gelesen hatte. Astrid Lind­gren betrachtete ihre Bьcher und ihre er­dichteten Gestalten als ihre Freunde. Und sie schickte sie als ihre persцnlichen Bot­schafter hinaus in die Welt und lieЯ ande­re an dieser Freundschaft teilhaben: Ihre Bьcher wurden in mehr als achtzig Spra­chen ьbersetzt.

Doch ihr Geheimnis? Worin bestand es? Kann man es ьberhaupt ergrьnden? Ich erlaube mir, es zu versuchen. Ich glaube, die Antwort ist zweigeteilt. Wenn man genau auf Astrid Lindgrens Sprache hцrt, wie sie in ihren Erzдhlungen angelegt ist - ьber Pippi Langstrumpf, Karlsson vom Dach, Michel aus Lцnneberga oder Ronja Rдubertochter, alle ihre erdichteten Gestalten -, so merkt man, dass sie vom mьndlichen Erzдhlen geprдgt ist. Astrid Lindgren war Schriftstellerin, sie schrieb, doch sie tat das auf eine Art und Weise, dass man sich in eine Welt der Stimmen versetzt wдhnte.

Ihre Worte waren wie Tьren; цffnete man sie, wurden die Stimmen dahinter hцrbar. Vielleicht wie es vor langer, lan­ger Zeit gewesen war, in ihrer eigenen Kindheit am Anfang des 20. Jahrhunderts. Als die Menschen sich in der Dдmmerung versammelten, wenn es zu dunkel war, um zu arbeiten, aber noch zu hell oder zu frьh, um zu schlafen; wenn man zusam­men saЯ und den Erzдhlungen lauschte; dort fand Astrid Lindgren ihren ganz ei­genen Rhythmus, ihre ganz eigene Spra­che. Dies, glaube ich, ist der eine Teil des Geheimnisses, das ihre Erzдhlungen in so vielen unterschiedlichen Kulturen so be­liebt macht.

Der andere Teil des Ge­heimnisses ist bedeutend leichter zu enthьllen: Astrid Lindgren nahm Kinder ernst. Sie wusste, dass die Phantasie in der Welt des Kindes nicht nur ein sinnvolles Instrument zum Bauen von Waldhьt­ten und FlцЯen war, oder um kleine Bдche in rie­sige afrikanische Strцme zu verwandeln; sie wuss­te, dass die Phantasie ein Ьberlebensinstrument war, ein Instrument, mit dessen Hilfe es mцglich war, das Schwere im Le­ben zu ertragen.

Astrid Lindgren vergaЯ nie die tiefste Wahrheit ьber die Kindheit und das Heranwachsen; dass das, was Kinder und junge Menschen wirklich interessiert, die groЯen Fragen sind: nach Liebe und Ein­samkeit, Verlassensein und Sehnsucht, Angst und Tod. Sie hat die Geschichten erzдhlt, die Kinder wirklich hцren wol­len, nicht die, von denen Erwachsene glau­ben, dass Kinder sie haben wollen.

Ich bin Astrid Lindgren mehrmals be­gegnet. Sie besaЯ eine groЯe Wдrme und eine ebenso groЯe Integritдt. Ich glaube auЯerdem, dass ich nie einen kindlicheren Menschen getroffen habe als sie. Und das ist wohl das Schцnste, was man ьber einen Kьnstler sagen kann. Da war Astrid Lind­gren in guter Gesellschaft. Ich habe nie ei­nen bedeutenden Kьnstler getroffen oder von einem gehцrt, der nicht seine Kindheit als eine seiner grцЯten Kraftquellen be­trachtet hat.

Aber Astrid verfьgte auch ьber eine groЯe intellektuelle Kapazitдt. Sie betei­ligte sich lebhaft, kraftvoll und feurig an po­litischen Diskussionen, ob es sich um Steu­ern handelte oder um die Rechte von Tie­ren. Ihr Ernst und ihre ironische und zu­gleich humoristische Sprache bewirkten, dass man auf sie hцrte. All dies lдsst sich in einem Wort zusammenfassen: Lebenslust. Ihre kindliche Neugier verlieh ihr Kraft bis ins hohe Alter, bis sie ьber neunzig Jahre alt war. Ich erinnere mich an ihre milde Selbstironie und ihren tiefen Ernst.

Vielleicht ist das ihr grцЯtes Geheimnis; die Geschichte, die sie nie schrieb. Die Er­zдhlung, die sie selbst als Mensch aus­machte: dieses einzige Leben, das wir ha­ben, immer ernst zu nehmen. Es nicht zu einem Nichts zerrinnen zu lassen. Deshalb lieЯ sie den Tod in ihren Erzдhlungen ge­genwдrtig sein. Ich glaube, sie wollte damit sagen: „Wenn du den Tod nicht siehst, kannst du das Leben nie ernst nehmen."

Astrid Lindgren war eine der grцЯten Erzдhlerinnen unserer Zeit. Es gibt jetzt eine Reihe von Menschen, wie es sie schon seit vielen Jahren gegeben hat, die mei­nen, ihr sollte postum der Nobelpreis ver­liehen werden. Warum?, frage ich mich. Astrid selbst hдtte nur mit den Schultern gezuckt und die Diskussion fьr tцricht ge­halten. Sie hat sich kaum darum gekьm­mert, als sie lebte. Warum sollte sie sich jetzt, wo sie tot ist, darum kьmmern? Astrid war zu groЯ fьr den Nobelpreis. Sie brauchte ihn nicht.

Sie hat erreicht, wovon alle Schriftstel­ler trдumen: ein riesiges Publikum von Kindern und jungen Menschen in der . ganzen Welt, die durch ihre Erzдhlungen Kraft und Mut zum Leben und zum Er­wachsenwerden bekommen. Ihre Unsterb­lichkeit hegt nicht darin, dass ihr Name in einen Katalog mehr oder weniger be­deutender Nobelpreistrдger eingetragen wird. Sie liegt in ihren Bьchern, die heute und in Zukunft gelesen und wieder gelesen werden.

Astrid Lindgren wurde 94 Jahre alt. Sie hat sich endlich niederlegen kцnnen, um auszuruhen und sich von hier fortzutrдumen in eine der vielen anderen Welten, die sie in ihrer Phantasie geschaffen hat. Fьr uns alle, und damit auch fьr sich selbst.

-
I. Aktiver Wortschatz

Geheimnis n, -ses, -se

bergen, a, o (A)

erdichten, -te, -t (A)

Gestalt f , =, -en

Botschafter m, -s, =

ergrьnden, -te, -t (A)

angelegt sein

geprдgt sein (von D)

wдhnen, -te, -t (A)

versetzen, -te, -t (A , in A)

lauschen, -te, -t (D)

beliebt

enthьllen, -te, -t (A)

ernst nehmen, a, o (A)

sinnvoll

verwandeln, -te, -t (A in A)


Ьberlebensinstrument n -(e)s, -e

ertragen, u, a (A)

Einsamkeit f, =

Verlassensein n, -s

Sehnsucht f , =

kindlich

Kraftquelle f , =, -n

Kapazitдt f , =, -en

bewirken, -te, -t (A)

hцren, -te, -t (auf A)

Lebenslust f, =

bis ins hohe Alter

zerrinnen, a, o

postum

Nobelpreis m, -es

tцricht

Unsterblichkeit f , =



II. Fьhren Sie Дquivalente aus dem Text an

unvernьnftig, verдndern, veranlagt sein, offenbaren, enthalten, erfinden, horchen, aushalten, veranlassen, annehmen (irrigerweise), die Figur

III. Bilden Sie Sдtze mit folgenden Vokabeln:

erdichten, die Gestalt, geprдgt sein (von D), versetzen, lauschen (D), ernst nehmen, verwandeln (A in A), kindlich, die Kraftquelle, bewirken, die Unsterblichkeit
IV. Paraphrasieren Sie

1. Das ganze Schaffen von Astrid Lindgren enthielt ein groЯes Geheimnis.

2. Die von ihr erfundenen Figuren betrachtete sie als ihre Freunde und lieЯ andere an dieser Freundschaft teilhaben.

3. Alle Gestalten von Astrid Lindgren haben eine Besonderheit, ihre Sprache erinnert an das mьndliche Erzдhlen.

4. Wenn man die Werke von Astrid Lindgren liest, so bekommt man den Eindruck, als ob man sich in die Welt der hцrbaren Stimmen versetzt.

5. Der Autor versucht, das Geheimnis des Schaffens von Astrid Lindgren zu offenbaren.

6. Die Fantasie in der Welt des Kindes ermцglicht, das Schwere im Leben auszuhalten.

7. Alle bedeutenden Kьnstler schцpfen die Krдfte in ihrer Kindheit.

8. Astrid Lindgren war eine groЯe intellektuelle Kapazitдt eigen.

9. Ihre ironische und zugleich humoristische Sprache veranlassten die Gesprдchspartner, auf sie zu hцren.

10. Die Diskussion ьber den Nobelpreis hдtte Astrid selbst unvernьnftig gefunden.
V. Fragen und Aufgaben zur Diskussion.

1. Sind Sie einverstanden, dass Astrid Lindgren eine Erzдhlerin nicht nur fьr Kinder, sondern auch fьr Erwachsene ist?

2. Worin besteht Ihrer Meinung nach die Anziehungskraft der von Astrid Lindgren erdichteten Gestalten?

3. Inwieweit sind ihre Figuren von der Persцnlichkeit der Autorin selbst geprдgt? Fьhren Sie Beispiele an.

4. Wie kann man die Beliebtheit der Bьcher von Astrid Lindgren in so vielen unterschiedlichen Kulturen erklдren?

5. Wo fand Astrid Lindgren nach der Meinung des Autors dieses Textes einen besonderen Rhythmus, eine ganz besondere Sprache? Kennen Sie Beispiele dafьr auch in anderen Literaturen und Kulturen?

6. «Astrid Lindgren nahm Kinder ernst» - wie verstehen Sie diese Behauptung des Autors?

7. Welche Bedeutung maЯ Astrid Lindgren der Phantasie in der Welt des Kindes bei?

8. In ihren Kinderbьchern wirft Astrid Lindgren die groЯen Fragen auf: nach Liebe und Einsamkeit, Verlassenheit und Sehnsucht, Angst und Tod. Kцnnten Sie das bitte an einigen Beispielen veranschaulichen?

9. Welche Lebensperiode betrachten die meisten bedeutenden Kьnstler, Astrid Lindgren eingeschlossen, als eine ihrer grцЯten Kraftquellen? Fьhren Sie Beispiele an.

10. Welche Seiten des Charakters von Astrid Lindgren unterstreicht der Autor des Textes besonders? In welchem Wort lassen sie sich zusammenfassen?

11. «Astrid war zu groЯ fьr den Nobelpreis» - sind Sie damit einverstanden? Wie verstehen Sie das?

12. Worin liegt die Unsterblichkeit des Schaffens von Astrid Lindgren?
VI. Erzдhlen Sie ьber Ihren liebsten Kinderautor. Gebrauchen Sie dabei den Wortschatz aus dem Text.

Donzowa statt Dostojewskij

Ьber den Wandel der russischen Lesekultur
Nach wie vor identifizieren sich die Russen stark mit ihrer Sprache und Literatur. Im nationalen Bewusstsein verdient beides das Prдdikat „groЯ", geprдgt und in die Welt getragen von „groЯen" Schriftstellern. Gelesen werden heute allerdings andere: Auf der nationalen Buchmesse „Russlands Bьcher" boten Mitte Mдrz 400 Verlage einen Ьberblick ьber die zeitgenцssische russische Literatur.

Zu Sowjetzeiten standen viele Bьcher auf schwarzen Listen, und der Reiz des Verbotenen trug zur Popularitдt des Le­sens bei. Wenn die Nonkonformisten un­ter den Autoren gedruckt wurden, konn­ten ihre Werke zur Demonstration von sowjeteigener Liberalitдt nur von Auslдn­dern in Devisenlдden gekauft werden. Nicht nur um verbotene Literatur rissen sich die sowjetischen Bьrger: Im wirt­schaftlich heruntergekommenen Land wurden Bьcher ьberhaupt zur begehrten Mangelware. Die Affinitдt der Menschen zum geschriebenen Wort stimmte zur Zeit der Sowjets mit der offiziellen Kul­turpolitik ьberein: Nach auЯen hin genoss Russland das Ansehen einer gebil­deten und belesenen Nation.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion ging die Bьcherliebe der Russen in regel­rechte Lesewut ьber. In dieser Phase wur­de wild ьbersetzt und herausgegeben, das Verlagswesen musste im marktwirt­schaftlichen Russland neu strukturiert, viele Werke in unzensierten Originalver­sionen verlegt werden. In einer freien Ge­sellschaft wдhrte der anfдnglich exzessi­ve Lesedrang jedoch nicht lange, das Neue wurde nach erstem Kosten zum Ge­wohnten und die Klassiker ьberwiegend zur bloЯen Zierde der Bьcherregale. Im postsozialistischen Russland gab es plцtzlich Unterhaltung in jeder erdenkli­chen Form - gelesen wurde weniger.

Das Image des belesensten Volkes der Welt passte nicht nur den Sowjets, auch das demokratische Russland schmьckt sich gerne mit dem Nimbus von nationa­ler Intellektualitдt. WahrheitsgemдЯ aufgesetzt werden kann er jedoch nicht mehr. In der Zeit nach der Perestrojka fiel das russische Verlagswesen in ein Loch, aus dem es erst in den letzten Jahren mьhsam heraus findet. Wдhrend 1988 noch zwцlf Titel pro Einwohner gedruckt wurden, kamen zehn Jahre spдter gerade mal drei Bьcher auf einen Russen. Die im Mдrz auf der nationalen Buchmesse prд­sentierten Zahlen fьr das Jahr 2003 ge­ben den Verlegern Anlass zur Hoffnung. Von fьnf Pro-Kopf-Exemplaren spricht die Abteilung des Kultusministeriums fьr Bьcherangelegenheiten.

Auch der Erfolg Russlands auf der letztjдhrigen Frankfurter Buchmesse be­flьgelt die russische Buchindustrie. Al­lein die Tatsache, nach Frankfurt als Gastland eingeladen worden zu sein, sorgt fьr eine selbstbewusste Einschдt­zung des nationalen intellektuellen Po­tenzials. Das Interesse des Westens an der zeitgenцssischen russischen Litera­tur weckt und steigert die Erwartungen an die eigenen Literaten, schlieЯlich will man angemessen reprдsentiert werden. Als Nдchstes werden die heimischen Autoren ihr Land Ende Mai auf der Buchmesse in Warschau vertreten. Dass Russland an solchen Veranstaltungen als zentraler Ehrengast teilnimmt, sehen die Verlegerverbдnde bereits als Traditi­on - da scheint eine erhцhte Bьcherpro­duktion ein logischer und notwendiger Zwischenschritt zu sein.

Es wird nicht nur viel gedruckt, auch die Palette der gedruckten Titel wird von Jahr zu Jahr vielseitiger. Zu einer pluralistischen Gesellschaft gehцrt ein unab­hдngiger und heterogener Bьchermarkt, und allmдhlich emanzipiert sich die rus­sische Bьcherproduktion vom staatlich gelenkten Druck. Die nichtstaatlichen Verlage brachten im Jahr 2003 immer­hin 67 Prozent aller erschienenen Titel heraus und verkauften fast 90 Prozent der Gesamtauflage. Bei solchen Verhдlt­nissen kann unter Berьcksichtigung der Leserwьnsche produziert werden, und produziert wird in Russland massenwei­se - sowohl in Verlagen als auch auf den Schreibtischen der Schriftsteller.

GroЯer Beliebtheit beim Publikum er­freuen sich Serienromane, Geschichten von Verbrecherjдgern, Frauenschicksalen und quasihistorischen Verwicklungen. Solche Literatur entsteht wie am FlieЯ­band. Um im Gesprдch zu bleiben, muss der Schriftsteller mit den Vorlieben seiner Leser Kompromisse schlieЯen kцnnen. Darja Donzowa ist eine der Autoren, die dauerhaft in den Bestsellerlisten prдsent sind. Aus ihrer Feder stammen 46 Bьcher, genug, um ein eigenes Genre zu prдgen -den „ironischen Detektivroman". Auch Boris Akunin wird geschдtzt und gelesen, seiner kunstvollen Sprache wegen, wie viele seiner Leser beteuern. AuЯerdem lдsst er immer wieder die gleichen Hel­den nach dem Fortsetzungsprinzip in Ro­manreihen auftreten und hдlt seine Fan­gemeinde auf diese Weise in ungeduldi­ger Vorfreude. Frei nach „Harry Potter", dessen Schцpferin Joanne Rowling neben Haruki Murakami zu den auslдndischen Autoren gehцrt, die die Listen der russi­schen Kassenschlager anfьhren.

Im Wesentlichen unterscheidet sich das Leseverhalten der Russen heute kaum von dem ihrer Nachbarn. Leichte, nicht vцllig anspruchslose Kost wird be­vorzugt, und das selbst gestrickte Image der Russen als einem Volk, das mehr liest als andere, erweist sich als Legen­de. Vielleicht sind unsere Nachbarn da doch europдischer, als sie denken.
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